 | Katrin Bauer Science Fiction ist tot (2006) Der Begriff des »Gläsernen Menschen« steht immer mal wieder im Raum - doch im Alltag machen wir uns darüber oft keine Gedanken. Tatsache ist, dass mit Hilfe der neuen Technologien mehr Daten über uns erhoben werden als jemals zuvor.In der Plakatreihe »Science Fiction ist tot« werden alltägliche Situationen dargestellt, in denen Datenraub stattfindet. Inhaltlich und formal angelehnt an Illustrationen der Science-Fiction-Magazine aus den 40er Jahren (z.B. Flash Gordon), sind die Instanzen, die den Datenraub begehen, als Monster dargestellt. Damit wird zum einen die Absurdität der heutigen Situation - zum anderen die diffuse Bedrohung für den Einzelnen deutlich gemacht. In den Plakaten wird auf den Big Brother Award als Möglichkeit zur Informationsbeschaffung hingewiesen. Der Big Brother Award ist ein von Datenschützern ins Leben gerufener Negativpreis für Verletzungen des Datenschutzes (Oscar für Datenkraken). Er wurde 1998 in Großbritannien ins Leben gerufen, existiert seit dem Jahr 2000 in Deutschland und wird mittlerweile weltweit in 19 Ländern verliehen. Auf der Homepage kann man sich kompakt über aktuelle Verletzungen des Datenschutzes informieren und somit einen Überblick über das Ausmaß des heutigen Datenraubes erhalten.Im Einzelnen scheinen die Situationen des Datenraubs nicht so tragisch zu sein - doch die Bündelung all dieser Datensätze ergibt einen lückenlosen Abdruck eines Menschenlebens. Das ist erschreckenderweise rein technisch kein Problem und wird in Ansätzen bereits vollzogen. »Datenschutz ist eine Sache der Vergangenheit und hat sich technologisch überlebt« (Wirtschaftswissenschaftler Hal Varian von der Universität Berkeley). Und deshalb ist Science-Fiction tot - denn das, was vor nicht allzu langer Zeit noch Science Fiction war ist heute erschreckende Realität. | |